Ausgangspunkt einer Aufstellung ist immer ein Anliegen, das eine der anwesenden Personen („Aufsteller*in“) formuliert. Das Anliegen kann ein Gegenstand aus dem zwischenmenschlichen Bereich sein oder auch ein abstraktes Thema wie Todesangst, Schüchternheit, eine Krankheit, Geldmangel oder Erfolglosigkeit, Glaubenssätze usw.. Wichtig ist, dass die aufstellende Person von dem Anliegen direkt betroffen ist.

Zunächst wird das in Frage stehende „System“ bestimmt, das z.B. eine Person, eine Familie, eine Organisation, ein Team oder eine Situation sein kann. Anschließend werden die bestimmenden Elemente des Systems (z.B. Mitglieder, Teile oder Aspekte) ermittelt. Jedes dieser Elemente wird dann jeweils einer Person zugeordnet, die als „Vertreter*in“ eine entsprechende Benennung (im Sinne von „Vertreter für …“) erhält. Die aufstellende Person kann ihre eigene Rolle selbst einnehmen oder sich von einer anderen Person vertreten lassen; letzteres ermöglicht es ihr, aus einer neutralen Beobachterperspektive auf das System zu blicken und bietet ihr so die Chance einer realistischen Selbstreflexion.

Schließlich wird das System „aufgestellt“. Hierbei werden die Vertreter*innen vom/von der Aufsteller*in entsprechend der Beziehungen zwischen den Elementen so (auf-)gestellt, dass es ein für ihn stimmiges Bild ergibt. Hierbei wird auf Dinge geachtet wie Nähe und Distanz zwischen den Stellvertreter*innen, ihre Blickrichtung und Stellung zueinander (zugewandt, abgewandt, seitlich) oder ihre Körperhaltung (aufrecht, gebückt, zusammengekauert). Ziel ist es, aus einer zu der räumlichen Position in Beziehung gesetzten Wahrnehmungsposition gewisse Muster innerhalb des Systems zu erkennen. Dies basiert auf der Annahme, dass innerlich-grundlegende Beziehungen auch innerlich räumlich abgespeichert wirken.

Die Stellvertreter*innen nehmen die Gefühle, Belastungen, Blockaden und Symptome der Personen, die sie repräsentieren, erstaunlich präzise wahr. Obwohl sie die Personen, für die sie stehen, gar nicht kennen, entwickeln Sie auch sehr schnell ein Gespür für die Beziehungen und Distanzen zu den anderen Stellvertreter*innen. Es ist für den Aufstellenden und alle Beteiligten beeindruckend und zumeist tief bewegend, wie konkret die Gefühle der Stellvertreter*innen die Dynamik des Systems widerspiegeln. Dies wird möglich durch das Phänomen des morphogenetischen Feldes.

Erdung & Zentrierung

Eine systemische Aufstellung am Ton

Die Stellvertreter*innen nehmen dann erstaunlich präzise die Gefühle der Personen wahr, für die sie stehen. Ergänzend werden die Stellvertreter*innen im Zuge der Prozessarbeit nach ihrer Wahrnehmung innerhalb des aufgestellten Systems befragt. Hierbei wird davon ausgegangen, dass die Vertreter*innen des aufgestellten Systems Aussagen machen (können), die den Aussagen bzw. Dynamiken des realen Systems nahekommen und so eine Hilfe für das Verstehen des Systemverhaltens darstellen.

„Repräsentative Wahrnehmung“

Aus ihrer Position heraus können die Stellvertreter*innen Gefühle und Gedanken entwickeln, die denen der repräsentierten Elemente aus dem System des/der Aufsteller*in entsprechen. Dieses Phänomen wird als „repräsentierende Wahrnehmung“ bezeichnet und ist ein zentrales Arbeitsmittel in Aufstellungen. Es beschreibt eine grundlegende menschliche Fähigkeit, die Erfahrungen anderer Menschen im eigenen Inneren nachzuvollziehen und körperlich und gefühlsmäßig zu „wissen“, ohne zuvor über diese fremden Erfahrungen informiert zu sein. Diese Fähigkeit, Medium für die Erfahrung anderer zu sein, ist altes Menschheitswissen und wurde z.B. in der Psychoanalyse in den Konzepten der Gegenübertragung oder des Spiegelphänomens in Balint-Gruppen formuliert. Im Vorgehen bei Aufstellungen hat sie eine besonders differenzierte Ausarbeitung erfahren. So erweisen sich Aufstellungen als „wissende Felder“, die die naturwissenschaftlichen Feldbegriffe („morphogenetische Felder“, „Vakuumfelder“) durch die Erfahrungen eines geistigen Informationsfeldes mit u.U. hochwirksamen Heilungspotenzen bestätigen und ergänzen. In einer vielbeachteten Dissertation an der Universität Witten/Herdecke konnte empirisch nachgewiesen werden, dass repräsentierende Wahrnehmungen nicht zufällig sind, sondern von der Position in der Aufstellung bestimmt und somit überindividuell reproduzierbar sind, dass also unterschiedlichste Personen (Stellvertreter*innen) in Systemaufstellungen tendenziell gleiche Wahrnehmungen äußern.